Ist Macht oder Ohnmacht als Haltung in Unternehmen eine Frage der Angst?
Der Übergang von traditionellen hierarchischen Modellen zu selbstorganisierten Strukturen bringt nicht nur organisatorische, sondern auch psychologische Herausforderungen mit sich. In diesem Artikel beleuchten wir die Rolle von Macht und Ohnmacht, wie Angst Selbstorganisation fördern wie auch behindern kann und welche Strategien Unternehmen anwenden sollten, um eine Kultur des Vertrauens zu fördern.
Traditionelle Unternehmen sind meist hierarchisch aufgebaut, wobei Macht von oben nach unten delegiert wird. Führungskräfte kontrollieren die Entscheidungen und Prozesse, während Mitarbeiter Anweisungen befolgen. Im Gegensatz dazu setzt Selbstorganisation auf Dezentralisierung und Eigenverantwortung. Teams und Einzelpersonen entscheiden autonom, was eine höhere Flexibilität und Kreativität ermöglicht.
Der Schweizer Kulturphilosoph Jean Gebser und die Theorien von Frederic Laloux und Ken Wilber bieten tiefgehende Einsichten in die Evolution von Bewusstsein und Organisationsformen. Gebser beschreibt in seiner Bewusstseinsentwicklungstheorie, wie Gesellschaften sich von archaischen zu integralen Strukturen entwickeln.
Laloux und Wilber knüpfen daran an, indem sie das TEAL-Paradigma vorstellen. In TEAL-Organisationen wird die Macht nicht hierarchisch verteilt, sondern gleichmäßig und kontextabhängig delegiert, was eine natürliche Entfaltung individueller Potenziale fördert. Diese evolutionäre Perspektive unterstützt die Idee, dass Selbstorganisation nicht nur eine moderne Managementmethode, sondern ein natürlicher Entwicklungsschritt menschlicher Gemeinschaften ist.
In traditionellen Unternehmen konzentriert sich die Macht in den Händen weniger Personen, was oft zu Abhängigkeiten und mangelnder Innovationskraft führt. Selbstorganisierte Unternehmen verteilen die Macht gleichmäßig, was zu mehr Beteiligung und Engagement der Mitarbeiter führt. Dazu mehr in unserem Blogeintrag Mut zur Kreativität – Innovation im Mittelstand.
Angst und Unsicherheit können erhebliche Hindernisse für die Selbstorganisation darstellen. Der dänische Philosoph Søren Kierkegaard beschreibt Angst als eine grundlegende Bedingung des Menschseins, eine existentielle Herausforderung, die sowohl lähmend als auch befreiend wirken kann. Diese „Angst vor der Freiheit“ wird besonders deutlich, wenn Mitarbeiter mit der Verantwortung und den Handlungsspielräumen konfrontiert werden, die Selbstorganisation mit sich bringt. Sie könnten Angst vor dem Verlust von Status und Sicherheit haben oder Unsicherheiten über neue Rollen und Verantwortlichkeiten verspüren.
Søren Kierkegaard: "Angst ist der Schwindel der Freiheit"
Friedrich Nietzsche ergänzt diesen Gedanken mit seinem Konzept der „Lebensbejahung“. Er betont die Wichtigkeit, das Leben mit all seinen Herausforderungen und Unsicherheiten anzunehmen und aktiv zu gestalten. In einem Unternehmenskontext bedeutet dies, dass Mitarbeiter ermutigt werden sollten, ihre Ängste zu überwinden und die Chancen und Freiheiten, die Selbstorganisation bietet, positiv zu nutzen. Diese Ängste resultieren oft aus der Unsicherheit über neue Rollen und Verantwortlichkeiten, können aber durch eine lebensbejahende Haltung und die Anerkennung der eigenen Fähigkeiten und Potenziale bewältigt werden.
Die „Angst vor der Freiheit“ ist nicht nur eine persönliche Hürde, sondern kann auch die gesamte Unternehmensstruktur beeinflussen. Unternehmen, die nicht in der Lage sind, diese Ängste zu überwinden, könnten Schwierigkeiten haben, eine erfolgreiche Selbstorganisation zu implementieren. Dies führt zu Misstrauen und einer Rückkehr zu traditionellen hierarchischen Strukturen.
In diesem Blogformat können diese Ansätze klarerweise nur rudimentär dargestellt werden. Adressieren sie uns! Wir klären gerne auf.
Offene und transparente Kommunikation ist der Schlüssel, um Ängste zu überwinden. Mitarbeiter müssen die Vision und die Ziele der Selbstorganisation verstehen und in den Prozess eingebunden werden. Im speziellen gehen wir darauf in unserem Blogbeitrag Alterozentrik – Der Blick über den Tellerrand ein. Nur durch eine klare und kontinuierliche Kommunikation können die Unsicherheiten reduziert und ein Gefühl der Sicherheit geschaffen werden.
Schulungen und Workshops können helfen, die notwendigen Fähigkeiten und das Vertrauen der Mitarbeiter zu stärken. Durch kontinuierliche Weiterbildung können Unsicherheiten abgebaut und die Eigenverantwortung gefördert werden. Diese Maßnahmen helfen den Mitarbeitern, ihre Angst vor neuen Rollen und Verantwortlichkeiten zu überwinden und ihre Fähigkeit zur Selbstorganisation zu stärken.
Vertrauen ist das Fundament jeder selbstorganisierten Struktur. Unternehmen müssen aktiv daran arbeiten, Vertrauen aufzubauen und zu pflegen. Dies erfordert Transparenz, offene Kommunikation und eine Kultur der Anerkennung. In einer vertrauensvollen Umgebung fühlen sich Mitarbeiter sicher, neue Ideen zu entwickeln und Risiken einzugehen. Dies fördert Innovation und trägt zur langfristigen Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens bei.
Selbstorganisierte Unternehmen sind besser in der Lage, sich an Veränderungen anzupassen. Durch dezentrale Entscheidungsstrukturen können sie schneller auf Marktveränderungen reagieren und bleiben wettbewerbsfähig.
Ein zentraler Aspekt der Selbstorganisation ist die kontinuierliche Verbesserung. Teams reflektieren regelmäßig ihre Prozesse und suchen nach Möglichkeiten, diese zu optimieren. Dies fördert eine Kultur des Lernens und der Anpassungsfähigkeit.
Mit den Worten von Marc Aurel: „Das Hindernis ist der Weg!“ – die Auseinandersetzung mit den eigenen Ängsten und Unsicherheiten ist der erste Schritt zur Überwindung dieser und zur erfolgreichen Selbstorganisation.
Damit wird aus der ständigen Auseinandersetzung ein Zusammensetzen.
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Wagen Sie den ersten Schritt.